Zum Glück ist das nur Fiktion, oder?
Jetzt geht es uns ans Brot?!
Brigitte H. Alsleben ©
Unter Pseudonym Patricia von Alvensleben erschienen
Ich saß am Frühstückstisch, las die Zeitung und hörte im Hintergrund in den Radionews die neuesten Sparankündigungen der Bundesregierung. Als ich so auf mein Brot sah und überlegte womit ich es belegen sollte und über das Gehörte und Gelesene nachdachte, schweiften meine Gedanken ab:
Es war einmal eine kleine Familie. Vater, Mutter, Sohn und Tochter und der Familienhund Oskar . Endlich lebten sie nach Jahren des Verzichts und der Einschränkungen in einem wunderschönem eigenem Haus mit Garten und Hundehütte und sie hatten auch etwas für schlechte Zeiten zurückgelegt. All die Jahre ohne Urlaub und des Sparens hatten sich gelohnt und sie können sich entspannt zurücklehnen und ihren kleinen Wohlstand genießen. Die Firma , in der sie ihr Geld verdienten, hatte Aufträge. Also alles war so, dass die Familie sorglos leben könnte. Oder?!
In dem Ort, wo sie lebten gab es eine Bank, die hatte sich auf Grund von Gier nach Geld und noch mehr Gewinn absolut verspekuliert. Sie war kurz vor dem Bankrott. Der Bürgermeister, der sein eigenes Konto auf dieser Bank hatte, griff sofort ein und half indem er alles was er und der Ort hatte in die Bank pumpte und versuchte zu sie so zu retten.
Der Bank ging es langsam besser und der Bankdirektor erhöhte sich zuerst einmal sein Gehalt, dann nahm er sich aus dem Guthaben noch die Bonuszahlungen, die ihm seiner Meinung sowieso für die Vergangenheit zugestanden hätten. So war das Geld sehr schnell ausgegeben. Der Bürgermeister musste wieder und wieder einspringen und machte Schulden über Schulden Denn auch andere Anspruchssteller folgten aus der nächsten Stadt. So ging es immer weiter. Er musste aber auch sparen und seinen Haushalt ausgleichen,schließlich hatte er das bei seiner Wahl zum Bürgermeister versprochen. „Das würden schließlich seine Wähler in seinem Ort von ihm verlangen.“, sprach er auf einer Ortsversammlung.Schwimmbäder und Büchereien wurde geschlossen. Die Betriebe benötigten Zwischenfinanzierungen um Aufträge abzuwickeln. Die Bank gab aber keine Kredite, da sie ja alles als Investitionen in Finanzanlagen brauchte.
Die Betriebe, in denen die Eltern arbeiteten, mussten deshalb schließen. Aber sie hatten ja noch andere Großunternehmen vor Ort, dort bekamen sie wieder eine Anstellung aber natürlich nur vorübergehend als Leiharbeiter.
Aber es würde sich ja „alles ,nach ein bisschen Verzicht, wieder erholen und sie auch wieder fest angestellt werden, wenn sie jetzt eben auch etwas für die Firma tun würden,“ sprachen die Personalverantwortlichen zu ihnen. Doch die Lage besserte sich nicht, den Unternehmen saßen die Shareholder im Nacken, die immer mehr Rendite für ihr Einlagekapital erwarteten und so wurde nach und nach ausgelagert „Das Fertigen ist im Ausland sowieso viel billiger“, kamen Informationen aus den Unternehmen.
Da sah man auch schon die Umzugswagen, die die Maschinen und Habseligkeiten abtransportierten. Es gab also keine festen Arbeitsplätze mehr und die Eltern waren gezwungen jeder einen Job auf 400 € Basis anzunehmen um die Familie zu ernähren. Schließlich konnte das ja nur vorübergehend sein. „Alle müssen den Gürtel etwas enger schnallen“, hieß es in den Zeitungen. Doch der Bürgermeister hatte, um seine Bilanzen zu verbessern, bei der Bank ganz sichere“ hoch verzinste Anlagen abgeschlossen.
Den Vertrag hatte er zwar nicht verstanden, da dieser in chinesischer Sprache abgefasst war, aber sein Banksachbearbeiter versicherte ihm, dass alles ganz reell wäre und die einzige Gefahr für den Ort, darin bestünde, zu viel Geld zu verdienen. Doch es erfolgten Verluste und er musste Gelder nachschießen und so die Abgaben erhöhen seine Ausgaben kürzen. Weiter verkaufte er an Investoren die letzten Habseligkeiten des Ortes wie das Abwassernetz und die Gebäude der Schulen und Krankenhäuser.
Bei unserer Familie wurden nun auch die Minijobs abgeschafft und durch Ein-Eurojobs ersetzt. Deshalb mussten die Eltern zum Bürgermeister um ergänzende Summen zum Leben von ihm zu bekommen, denn ihre Ersparnisse hatten sie schon aufgebraucht und auch das Haus war durch Kredite zur Lebenshaltung schon mit Hypotheken stark belastet.
Sie hatten schließlich nichts mehr, bis auf das Notwendigste zum Leben: eine Scheibe Brot. Diese nahm er ihnen mit den Worten: „Die muss ich an mich nehmen, da bekomme ich noch was dafür und schließlich brauche ich das Geld um den Haushalt auszugleichen und der Bank beizustehen “
In diesem Moment sprang mich mein Hund an.Ich guckte auf meinen Kaffee und die Scheibe Brot auf meinem Teller. Meine Güte was war das? Zum Glück nur ein Alptraum! ODER?
(Ist 2008 geschrieben worden)