Ja, ich will! Aber zunächst die Trennung!

Ja, ich will! Aber zunächst die Trennung!

Ja, Sie haben richtig gelesen! Eigentlich sollten wir bevor, man sich „ewig bindet“ nicht gucken „ob sich nicht etwas besseres findet“, nein wir sollten uns richtig kennenlernen, sprich das Unterbewusstsein und das unterdrückte Wesen des anderen und uns selbst auch ohne Maske zeigen. Dazu gehören auch die Eigenschaften, die wir von Kleinst auf meinten, nicht sein zu dürfen und deshalb so schön unterdrückt hielten.

Man ist einander nie so nahe wie im Augenblick der Trennung.“ wie August Strindberg (1849 – 1912) es ausgedrückt hat. Denn dann endlich zeigt man, wie man ist und nicht wie man sein möchte. Man hat ja nichts mehr zu verlieren.

Wie reagieren denn die meisten, wenn sich ein Partner trennen möchte? Oft mit Trauer, Unverständnis aber auch mit Wut.

Bei mir war es so, dass ich, wenn ich die Trennung wollte, gern im Guten im beiderseitigen Einvernehmen auseinandergegangen bin. Es war nie ein anderer Mann dann im Spiel, sondern es gab Seiten mit denen ich nicht weiter leben wollte. Selbst wenn die Trennungsabsicht vom anderen kam, war ich traurig und auch verzweifelt und hatte oft dann noch den Wunsch dem anderen zu zeigen, was er an mir verlieren würde. Ich erkenne in meinem damaligen Verhalten, im Nachhinein, dass ich viel zu lange in einer untragbaren Situation immer bleibe mit der Hoffnung, es wird sich schon irgendwie regeln. Doch wenn ich merkte, es gibt keine Möglichkeit, für Beide eines glücklichen gemeinsamem Lebens war mir Frieden und ein faires Miteinander immer wichtig nach der Trennung.

Einer meiner Expartner war da ganz anders. Er wurde ziemlich ausfallend und beleidigend. Eigentlich habe ich ihn da erst richtig kennengelernt, denn sonst war er sehr gelassen und ruhig und man konnte sich mit ihm gar nicht streiten. Heute würde ich sagen, dass er sich in diesem Moment ohnmächtig vorkam und deshalb sich so zeigte. Was er mir auch später bestätigte. Wir haben es noch öfter versucht, aber jedes Mal ist es wieder auseinandergegangen. Wir waren zu sehr in die Vorstellung des anderen verliebt und wollten den wirklichen Anderen eben gar nicht als Partner haben.

Ergo erst die Trennung, da lernt man sich wirklich kennen und dann die feste Beziehung eingehen.

Oder man arbeitet an sich selbst, knallt dem anderen, möglichst schon beim Kennenlernen seine ganze totale Persönlichkeit vor den Latz und hofft, dass er nicht das Weite sucht und es auch so macht. Dann kann man sich sofort entscheiden, bis an das Ende des Lebens zusammen zu bleiben, da man mit allen Seiten des jeweils anderen leben kann und will.

Denn so ist es ja bei einer Trennung, dass man da auf sich selbst gestoßen wird. Man kommt dazu, zu rekapitulieren über sich, das Leben und seine Begebenheiten, die ein immer wieder irgendwie tangierten. Klar es sind Knöpfe, die bei uns gedrückt wurden. Es sind Seiten, die wir uns nicht zugestehen wollten, die jedoch da sind. Wenn wir diese von uns ungeliebten Seiten anerkennen und sie nicht mehr verdrängen, sondern sie als zu uns gehörig sehen, können diese äußeren nervenden Situationen sich aus unserem Leben verabschieden. Die Wut will auch mal hochkommen, sie gibt uns oft erst die Kraft aus einer Situation wirklich herauszugehen. Die Trauer darf da sein, sie gibt uns Mitgefühl für uns und andere. Freude, Trauer und Wut sind die instinktiven Emotionen, die wir seit Geburt an haben. Doch wie oft haben Eltern und andere uns dafür noch „bestraft“ und uns so gezeigt, dass wenn wir Trauer zeigten (weinten) oder sogar wütend wurden (brüllten) so nicht richtig gewesen sind.

Aber zurück zur Trennung. Eine Frage wäre auch interessant- Braucht man den anderen, um sich wohl oder allgemein geliebt zu fühlen? Wenn das so ist, ist es sehr wichtig an seiner eigenen bedingungslosen Selbstliebe zu arbeiten. Denn dann hat man sich selbst verlassen, um einen Partner zu haben, egal wie dieser sein möge und trägt deshalb für den nächsten Partner auch wieder ein unsichtbares Schildchen auf der Stirn mit der Aufschrift „verlasse mich, denn ich tue es auch immer wieder!“

Hat man sich bei dem scheidenden Menschen von Anfang so gegeben, wie man ist oder nur wie man sein wollte? Durfte der Partner auf Augenhöhe sein oder hat man ihn zum Eltern- oder Kind-Ersatz gemacht? (Ich meine übrigens wenn ich die männliche Form schreibe immer beide Geschlechter) Kennt man seine eigenen unbewussten Seiten oder sind diese schon so vergraben, dass man sie immer wieder erst durch äußere ungewünschte Gegebenheiten erkennen soll.

Es sind die Schatten, die uns begleiten auch wenn wir diese noch so vergraben und uns von ihnen dauerhaft ablenken, sie sind immer da und melden sich. Darum ist es so wichtig, wenn wir uns wirklich auf Dauer mit jemanden dauerhaft binden wollen, dass wir uns selbst in und auswendig kennenlernen und uns so geben, wie wir sind und nicht wir wir gerne sein würden oder meinen, wie der andere uns gerne hätte.

Ihre Brigitte H. Alsleben

PS: Mit den Schatten können Sie HIER nochmal genauer nachlesen. Wobei mein Blog und besonders der 24-tägige Adventskalender von Dezember 2019 immer wieder dieses Thema durchleuchtete.

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