Was ist in Ihrem unsichtbaren schweren Rucksack?

Was ist in Ihrem unsichtbaren schweren Rucksack?

Schatten sind wie ein riesiger unsichtbarer Rucksack, den wir immer mit uns herumtragen. Bis etwa zwanzig füllen wir ihn mit unseren ungewünschten Wesensanteilen, um dann bis zum Lebensende zu versuchen, diese dem Rucksack wieder zu entnehmen. (frei nach Robert Bly)

Schatten umfassen all das, was außerhalb unseres bewussten Gewahrseins liegt. Gewahrsein heißt, man nimmt wahr, was ist.

Man interpretiert also nichts in eine Sache oder Angewohnheit hinein, sondern nimmt diese einfach nur wahr. Schatten nehmen wir also nicht einfach nur so wahr, sondern wir wollen sie nicht sehen und unterdrücken und verstecken sie deshalb. Es sind verdrängte , ungewünschte Teile unserer Persönlichkeit.

Jeder von uns kam mit einer Masse von sehr persönlichen Fähigkeiten und Eigenschaften auf diese Welt. Wir haben also alle eine Art Kartenspiel an Besonderheiten, Wesensarten, Begabungen und Kompetenzen, das uns von Geburt an auszeichnete.

Doch jeder von uns durchlebte Erfahrungen, die wir von Geburt an machten. Es gab Eigenschaften, die unsere Eltern, Großeltern nicht mochten. Dies wiederum hat bei uns Beunruhigung, Kummer oder sogar Panik ausgelöst, nicht im Familieverbund gern gesehen oder geduldet, vielleicht sogar aus diesem ausgeschlossen zu werden, wenn wir unsere ursprünglichen Karten beibehalten. Als Konsequenz haben wir unser Verhalten den Glaubenssätzen und Kernüberzeugungen unserer Familie bzw. Umgebung angepasst, das heißt wir haben unsere Karten neu gemischt und veränderten unser Verhalten, um vom Familienverband geliebt zu werden. Dies geschieht vollkommen unbewusst und ist weder für die Eltern, Großeltern, Umgebung oder die Kinder selbst erkennbar.

Zum Beispiel:

In meinem ursprünglichen Kartenset müssen die Karten „Offenheit“, „Vertrauen“ und „Unbefangenheit“vorhanden gewesen sein. Ich ging schon als Kleinkind auf wildfremde Menschen mit einem großem Vertrauen zu und erzählte alles von mir und unserer Familie. Bis mein Vater mich sehr streng darauf aufmerksam machte, dass man das nicht macht und mir  befahl fremden Leuten nicht alles zu erzählen, was ich so erlebe. So nahm ich diese Karten raus aus meinem Set und legte sie in meinen unsichtbaren Rucksack und ersetzte sie durch die Karten „Verschlossenheit“ „Mißtrauen“und „Ängstlichkeit“. Ich wusste nicht mehr, was ich erzählen hätte dürfen und was nicht. So erzählte ich nichts mehr und hatte Mißtrauen und Angst vor fremden Erwachsenen und sage bis heute oft nicht, was wirklich in mir los ist.

Diese drei verdrängten Anteile „Offenheit“, „Vertrauen“, „Unbefangenheit“ und durch „Verschlossenheit“, „Mißtrauen“, „Ängstlichkeit“ ersetzten Karten habe ich mir erst bewusst machen müssen.

Vorteil der neuen Karten war sicher, dass mir damals als Kleinkind nichts passiert ist, da ich vorsichtig und mißtrauisch geworden bin, gerade gegenüber erwachsenen Männern. (Schließlich war Hamburg eine Groß- und Hafenstadt und es gab Verbrechen an Kindern) Ich kann da meinen Vater verstehen, dass er auch Angst um mich hatte. Der negative Aspekt war, ich wurde allgemein Menschenfeindlicher und machte alles mit mir selbst aus. Ich überlege manchmal noch heute dann erst oft, ob ich das so sagen kann oder nicht. Oder es wabert in meinem Unterbewusstsein und platzt plötzlich heraus, als Wut, dass ich nicht viel früher etwas gesagt habe, oder als Trauer, dass ich mir alles sagen lasse und ertrage, obwohl ich meine eigenen offenen Worte mir verkniffen habe.

Diese verdrängten Anteile sich bewusst zu machen und warum man sie verdrängt hat und wieder in das eigene Leben zu integrieren, das ist ein Teil der Schattenarbeit.

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